Das Feuerschiff Elbe 1

Feuerschiffe waren als Seezeichen Teil der Wasserstra├čen f├╝r die Lenkung und Sicherheit des Schiffsverkehrs. Sie wurden auf Ansteuerungspunkten der Reviere und auf markanten Positionen gekennzeichneter Verkehrswege ausgelegt. Der Ersatz der Feuerschiffe vor den deutschen K├╝sten durch unbemannte, vollautomatische Feuerschiffe, Leuchtt├╝rme oder Leuchttonnen ergab sich aus der Forderung der Schifffahrt nach verbesserter Bezeichnung der Verkehrswege und sicherer Fahrt sowie aus der Reduzierung der Unterhaltungs- und Betriebskosten f├╝r bemannte Feuerschiffe.
Unbemannte Feuerschiffe gibt es k├╝nftig im Bereich der Bundesrepublik Deutschland auf den Positionen TW/Ems und Deutsche Bucht in der Nordsee. Das letzte und ber├╝hmteste der bemannten Elbe-Feuerschiffe ELBE 1 wurde am 22. April 1988 nach 40 Jahren Dienst in der Elbm├╝ndung eingezogen und durch ein unbemanntes Feuerschiff ersetzt. Mit dem Einholen des letzten Feuerschiffes im Elbe-Revier ├Ąndert sich auch der Name der Position. Die Position “Elbe 1” hei├čt k├╝nftig nur noch “Elbe”. Die Stadt Cuxhaven ist heute Eigner des Feuerschiffes, das als maritimes Denkmal seinen endg├╝ltigen Liegeplatz an der Zollkaje erhalten hat. Die Betreuung und den Erhalt des Feuerschiffes haben jedoch Cuxhavener B├╝rger ├╝bernommen, die mit vielen ausw├Ąrtigen Liebhabern im Feuerschiff-Verein Elbe 1 von 2001 e.V. zusammengeschlossen sind. Das Ziel, das Feuerschiff immer fahrbereit zu halten, wird durch den Vorstand nicht aus den Augen verloren.

Das gr├Â├čte deutsche Feuerschiff

ELBE 1 wurde von der im Feuerschiffsbau besonders erfahrenen Werft von Jos. L. Meyer in Papenburg erbaut. Beim Entwurf des Schiffes galt es sorgf├Ąltig abzuw├Ągen, ob es als Wind- oder Stromschiff auszubilden ist. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Stromschiffes, d.h. eines Schiffes mit verh├Ąltnism├Ą├čig gro├čem Tiefgang und einer ausreichenden Lateralfl├Ąche, wodurch der Strom eine gro├če Richtkraft auf das Schiff aus├╝ben kann.

Die Feuerschiffstation “Elbe 1″ lag auf der Position 54┬░ 00′ 00″ N und 08┬░ 10′ 40” E; dies war ein weit vorgeschobener Posten in der gef├Ąhrlichen Elbm├╝ndung auf 25 m Wassertiefe. Die Geschwindigkeiten des st├Ąndig ein- und auslaufenden Flut- und Ebbstromes liegen zwischen 1 und 3 sm/h. Die an dieser exponierten Position auftretenden Wellen haben nicht den Charakter reiner Meeres- wellen. Durch den herrschenden Strom und die N├Ąhe der Au├čens├Ąnde entstehen Reflexionswellen, die durchsetzt sind mit Kabbel-, Kreuz- und Grundseen.

Das Schiff wurde in Querspanten- Bauweise mit genieteter Au├čenhaut gebaut und hat folgende Hauptabmessungen:

L├Ąnge ├╝ber alles51,37 m (ohne Bugspriet)
Breite9,55 m
Tiefgang4,72 m
Verdr├Ąngungrund 1000 Tonnen
Vermessung641 BRT
Maschinenleistung500 PS, jetzt 650 PS
UnterscheidungszeichenD B B R

Der Schiffsk├Ârper wurde nach den Vorschriften und unter Aufsicht des Germanischen Lloyd entsprechend dessen h├Âchster Klasse mit Eisverst├Ąrkung gebaut.
Das Schiff erhielt den Namen “B├╝rgermeister O’Swald”, Heimat- hafen Cuxhaven. Es wurde am 8. November 1948 beim damaligen Seewasser-stra├čenamt Cuxhaven, dem jetzigen Wasser- und Schiffahrtsamt Cuxhaven, in Dienst gestellt und erstmals am 9. November 1948 ausgelegt. Das Ankergeschirr f├╝r die Station besteht aus einem 3000 kg (3 t) schweren Pilzanker, die Ankerkette hat eine L├Ąnge von 250 m und einen Durchmesser von 5,5 cm. Um eine ruckartige Belastung der Ankerkette und der Schiffsverb├Ąnde zu verhindern, wurde zwischen dem Ende der Kette und der Befestigung an Deck eine schwere Ringfeder mit einem Arbeitsverm├Âgen von 95 Tonnen eingebaut. Die Kette kann im Notfall von der Br├╝cke geslippt werden.

Das Leuchtfeuer befindet sich in dem, einem Feuerschiff die typische Silhouette gebenden, Laternenmast. Das Feuer hat eine H├Âhe von 15 m ├╝ber der Konstruktionswasserlinie. Die kreisrunde Laterne hat eine H├Âhe von 2 m und einen Durchmesser von 1,75 m. Zur Vermeidung von Dunkelwinkeln wurde sie mit schr├Ąg gekreuzten Sprossen verglast. Das Feuer hatte bei der Indienststellung eine Tragweite von 23 sm, heute liegt diese bei 17 sm. Als Lichtquelle diente eine Scheinwerfergl├╝hlampe mit 2000 Watt, zuletzt wurde eine Gl├╝hlampe von 1500 Watt verwendet. Die Kennung des Feuers ist Gleichtakt 10 s, d. h. 5 s Schein und 5 s Dunkel- Pause.

Ein Blick nach oben

Von besonderer Bedeutung f├╝r die Ansteuerung der Feuerschiffe bei Nebel ist deren Ausr├╝stung mit Nebelsignalanlagen. Feuerschiff ELBE 1 war bei der Indienststellung mit einem Funkfeuer sowie einem Unterwasserschallsender ausger├╝stet worden. Das Nebelhorn zur Abgabe der Luftnebelsignale mit einer Tonh├Âhe von 300 Hz befindet sich im Vortopp. Der Wasserschallsender wurde bei Bedarf mit einer Handwinde durch einen im Schiffsrumpf befindlichen Schacht etwa 4 m unter den Kiel gesenkt. In Verbindung mit dem Funkfeuer konnte durch die Laufzeitdifferenz der beiden Signale die Entfernung des Empf├Ąngers (Schiff) zum Feuerschiff gemessen werden. Das Unterwasserschallsignal sollte nur auf Anforderung durch ein Schiff angestellt werden. Kurioserweise wurde es bis zur Aufgabe am 29.01.1960 nicht ein einziges Mal von der Schifffahrt angefordert. Die technische Entwicklung hatte also schon damals die technische Planung von 1938/39 ├╝berholt.

Eine unglaubliche Dimension

Die Konstruktion eines Feuerschiffes wird durch die geforderte gro├če Stabilit├Ąt, d. h. m├Âglichst gro├če Kentersicherheit, gekennzeichnet. Dies bedeutet einen tiefliegenden Gewichtsschwerpunkt mit dadurch hervorgerufenen harten Bewegungen, die f├╝r die Besatzung bei im Sturm quer zur See liegendem Schiff eine fast unzumutbare H├Ąrte bedeuteten. Daher, aber auch mit R├╝cksicht auf die Leuchtfeuer-technischen Einrichtungen, mussten Wege zu weicheren Schiffsbewegungen gesucht werden. Man entschloss sich deshalb neben ├╝berdimensionierten Schlingerkielen zum Einbau von Schlinger- oder Stabilit├Ątstanks. Mit diesem System und dem festen Ballast im Kielbereich konnte das Schiff die schwersten St├╝rme heil ├╝berstehen. Oft holte es dennoch, verursacht durch hohe Seen, bis ├╝ber 40┬░ nach einer Seite ├╝ber. Es hat aber nie gr├Â├čeren Schaden durch Seeschlag erhalten. Allerdings ist es mehrfach durch Sturm mit schleifendem Anker von seiner Position vertrieben worden. Es hat auch einige Ankerkettenbr├╝che gegeben. Aber dank seines starken Fahrmotors konnte sich das Feuerschiff immer selbst helfen.

Um bei starker Kr├Ąngung das Eindringen von Wasser zu verhindern, sind die T├╝ren der Aufbauten bei schwerem Sturm wasserdicht verschlie├čbar. Ebenso werden alle L├╝fter elektromechanisch zentral geschlossen. Wenn dieser Verschlusszustand hergestellt ist, gleicht das Feuerschiff fast einem U-Boot, nur tauchen darf es nicht.

In Cuxhaven nicht zu ├╝bersehen

Zu den Aufgaben der Besatzung des Feuerschiffes ELBE 1 geh├Ârten neben der Wartung des gesamten Schiffes und seiner Leuchtfeuertechnischen Einrichtung folgende Arbeiten: Messen hydrologischer und meteorologischer Werte, im Winter Durchgabe von Eismeldungen, Einleiten von Ordnungswidrigkeits-Verfahren bei Nichteinhaltung der Fahrregeln nach der Seestra├čen- Ordnung und Seeschifffahrtsstra├čen- Ordnung, Betreiben eines Funkbeschickungssenders, Abwicklung von Funkverkehr auf Mittelwelle (bis 1982), Grenzwelle und Ultrakurzwelle sowie Wahrnehmen der Meldungen f├╝r den Schiffsmeldedienst.

Wie gro├č die Anzahl der Besatzung bei der Indienststellung im Jahre 1948 war, l├Ąsst sich nicht genau feststellen. In den f├╝nfziger bis Anfang der achtziger Jahre waren mit dem Kapit├Ąn 18 Mann an Bord, davon 1 Offizier, 2 Maschinisten, 3 Funker, 2 Motorenw├Ąrter, 1 Elektriker, 1 Koch, 1 Bootsmann und 6 Matrosen.

Am 01.09.1982 wurde die Funktelegrafie auf Mittelwelle eingestellt, gleichzeitig die Besatzung um die 3 Funker verringert. Der Funksprech- Verkehr auf UKW wurde von der jeweiligen Br├╝ckenwache in bisheriger Form weitergef├╝hrt.

Das Leben eines Feuerschiffes verlief meistens in ruhigen, vorgegebenen Bahnen. Es hatte seine Position unter allen Umst├Ąnden st├Ąndig einzuhalten und diese nur zu den Werft├╝berholungen zu verlassen. W├Ąhrend dieser Zeit wurde auf der Feuerschiffposition ein Reservefeuerschiff oder eine Leuchttonne ausgelegt.

Am 20.06.1988 erfolgte die Gr├╝ndung des F├Ârdervereines Schiffahrts- geschichte Cuxhaven – Feuerschiff ELBE 1 – e.V.

Am 30.12.1988 war die ├ťbergabe des Feuerschiffes ELBE 1 durch das Wasser- und Schiffahrtsamt Cuxhaven an die Stadt Cuxhaven.

Zum 1.10.1989 ├╝bergibt die Stadt Cuxhaven das Feuerschiff ELBE 1 mit allen Rechten und Pflichten an den F├Ârderverein, wobei die Stadt Cuxhaven weiterhin Eigent├╝mer des Feuerschiffes ist. Im F├Ârderverein gab es prinzipiell 2 Arbeitskreise, “Schifffahrtsgeschichte” und “Feuerschiff”. Das Feuerschiff war zum bestimmenden Faktor an Arbeit, Aktivit├Ąten und Aufmerksamkeit geworden. Einige Mitglieder des Vorstandes waren zur ├ťberzeugung gekommen, dass eine Trennung der beiden Arbeitskreise in eigenst├Ąndige Vereine n├Âtig w├Ąre. So kam es zur Neugr├╝ndung des “Feuerschiff-Verein ELBE 1 von 2001 e.V.” am 12. April 2001.

Quellennachweis :
Information ├╝ber das Feuerschiff
ELBE 1 vom Feuerschiff-Verein ELBE 1 von 2001 e.V.